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/ Dr. Tobias Hoheisel

Runter mit dem Öl

Verpackungen müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Vor allem aber sollten sie gesundheitlich unbedenklich sein. Für negative Schlagzeilen haben in den letzten Jahren beispielsweise Mineralöle gesorgt.

Allen Lockdowns zum Trotz: „Nach wie vor wollen Kunden stationär einkaufen. Allerdings sind sie dabei vorsichtiger im Hinblick auf Hygiene und Sicherheit geworden", sagt Thomas Natkowski, Geschäftsführer der Digital-Beratung eStrategy Consulting, die zusammen mit  dem Beratungsunternehmen JLL im Januar 2021 eine Studie zur Digitalisierung im deutschen Einzelhandel veröffentlicht hat. Ihr Fazit: Langfristig wird nur der stationäre Händler erfolgreich sein, der auch online gut wahrnehmbar ist.

Dennoch könnte man sicher in Anlehnung an ein bekanntes Fußballerzitat die Formel aufstellen: „Entscheidend ist am POS.“ Hier zeigt sich, welche Produkte sich bei den Käufern durchsetzen und welche in der Angebotsflut eher untergehen. Der Verpackung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Für den potenziellen Käufer erfüllt sie eine wichtige Signalfunktion. Sie ist Träger der jeweiligen Markenbotschaft und sollte entsprechend gestaltet sein: zum Beispiel besonders jugendlich, praktisch oder nachhaltig. Bei allen Überlegungen, die fürs Marketing wohl am augenscheinlichsten sind, gerät aber ein Aspekt bisweilen aus dem Blick: der Gesundheitsschutz. Dieser sollte auch durch die Verpackung selbst gewährleistet sein. So dürfen vom Verpackungsmaterial keine Stoffe ausgehen, die der Gesundheit des Käufers schaden. Das gilt auch und in besonderem Maße bei Lebensmitteln. Der Gesetzgeber hat bestimmte Verordnungen erlassen über Materialen, die dazu bestimmt sind mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen (VO (EG) 1935/2004 und VO (EU) 10/2011).

Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen seit längerem etwa Mineralöle: So wies das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits 2010 auf die Gefahr hin, dass sich Ölbestandteile aus recycelten Kartons auf Lebensmittel übertragen. Enthalten sind Mineralöle meist in den Druckfarben des Zeitungspapiers, das unter anderem für die Kartons verwendet wird. Die Bestandteile können im Recyclingprozess nicht ausreichend entfernt werden und gelangen so in die Lebensmittelverpackungen. Der Übergang, die „Migration“, dieser Substanzen war insbesondere bei trockenen Lebensmitteln mit großer Oberfläche, beispielsweise Reis oder Gries, nachgewiesen worden. Aber nicht nur die durch die Zeitungsfarben betroffenen Recyclingfasern sind eine Gefahrenquelle – auch andere Druckfarben, die für die Gestaltung am POS eingesetzt werden, stellen unter Umständen ein Gesundheitsrisiko für den Verbraucher dar. Die Regulierung einer Migration von Mineralölen läuft EU-weit bislang allerdings nur schleppend.

Eine nationale deutsche Mineralölverordnung ist seit 2011 geplant. Kernstück ist die Verpflichtung zur Verwendung einer funktionellen Barriere. Diese soll den Übergang von Mineralölbestandteilen auf Lebensmittel bestmöglich begrenzen. Gleichzeitig soll die Möglichkeit erhalten bleiben, Altpapier im Lebensmittelbereich zu verwenden. Die Lösung könnten etwa Innenbeutel als Barriereschichten oder bestimmte Absorptionsmaterialien in der Verpackung sein. Seit August 2020 befindet sich der Entwurf für die Verordnung erstmals im Notifizierungsverfahren der EU-Kommission. Bleibt zu hoffen, dass nun bald Regeln gefunden und formuliert werden. Zur Klarheit für die Lebensmittelbranche und zur Sicherheit der Verbraucher.

 

Erschienen in Ausgabe 4/2021 der Zeitschrift creativ verpacken.

Picture credits: domagoj8888 – AdobeStock

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