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/ Jan Ackermann

Wundergas der Zukunft?

Wasserstoff und seine Bedeutung für Klima und Wirtschaft

In Debatten über den Klimawandel und eine emissionsfreie Wirtschaft fällt oft ein Zauberwort: Wasserstoff. Er eignet sich gut als Ersatz für andere Energieträger in Industrie und Verkehr, aber auch für die Speicherung und Gebäudeversorgung, weil er beim Verbrennen keine schädlichen Abgase hinterlässt. Klimafreundlich wird das Wundergas allerdings erst dann, wenn es auch selbst mithilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird.

Die Politik fördert die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologien. Im Juni 2020 hat das Bundeskabinett entsprechende Maßnahmen beschlossen. Hierzu zählen etwa Fördermittel für Brennstoffzellen-Fahrzeuge, für Wasserstoff-Tankstellen und für die Erzeugung von Wasserstoff. Kurz nach der Bundesregierung hat auch die EU-Kommission in Sachen Wasserstoff nachgezogen: Im Juli 2020 hat sie im Rahmen des Green Deals die EU-Wasserstoffstrategie vorgelegt. Ziel ist es, die Wasserstofferzeugung zu dekarbonisieren. Die Kommission sieht hierfür aufgrund der sinkenden Kosten erneuerbarer Energien und der technologischen Fortschritte gute Chancen. Zudem soll Wasserstoff in Sektoren genutzt werden, in denen er fossile Brennstoffe ersetzen kann.

Auch in der Industrie findet ein Umdenken statt: „Die Unternehmen sind dabei, die Stahlerzeugung sukzessive auf Wasserstoff umzustellen“, sagt Frithjof Staiß, Leiter des Wasserstoff-Instituts ZSW, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Neben der Stahlindustrie, die bisher mit CO2-intensivem Koks gearbeitet hat, hat etwa auch die Chemieindustrie angefangen, ihre Produktion auf Wasserstoff umzustellen. „Die Unternehmen überlegen sich: Wohin geht der Emissionshandel, wohin die Preise für fossil basierte Produkte? Was ist mittel- und langfristig die günstigere Alternative?“, so Staiß weiter.

Wer über Wirtschaftlichkeit nachdenkt, tut im Übrigen gut daran, bei eigenen Entwicklungen auch technische Schutzrechte in den Blick zu nehmen. Gerade im Bereich der Wasserstofftechnologien können Patente & Co. dafür sorgen, dass Unternehmen aus ihren Innovationen den größtmöglichen Nutzen ziehen. „Schutzfähige Innovationen können entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen“, sagt Jan Ackermann, Patentanwalt und Partner bei Cohausz & Florack. Dies betreffe sowohl die Erzeugung, den Transport und die Speicherung als auch die Nutzung von Wasserstoff in unterschiedlichster Form, beispielsweise als Roh- oder Brennstoff in der Industrie, als synthetischer Kraftstoff im Verkehr sowie als Strom- und Wärmequelle in Gebäuden.

Um aber allem voran auch den Nachhaltigkeitsgedanken zu bedienen, also grünen Wasserstoff herzustellen, müssen Elektrolysekapazitäten ausgebaut und erneuerbare Energien in ausreichender Menge verfügbar gemacht werden. Eine Aufgabe, die Politik und Wirtschaft wohl noch längere Zeit beschäftigen wird. Der Erfolg der Bemühungen um eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft hängt dann auch davon ab, wie Energieerzeuger, Netzbetreiber und energieintensive Industrien in Zukunft zusammenarbeiten und die Entwicklung notwendiger Infrastrukturen und Technologien vorantreiben. Bleibt die Hoffnung, dass hier zügig Fortschritte gemacht werden. Das Klima wird es danken.

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