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/ Felipe von Heereman

Mit IP-Management zum Unternehmenserfolg

Kann die DIN 77006 zum Schutz geistigen Eigentums helfen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu stemmen?

Eine digitalisierte Wirtschaft kennzeichnet sich unter anderem dadurch, dass sich Geräte untereinander und über das Web immer stärker vernetzen. Dadurch steigt die Bedeutung von Schutzrechten und anderen immateriellen Vermögenswerten. Dies führt auch zu ganz neuen Mitspielern in den Marktsegmenten. Das Internet of Things führt dazu, dass sich Automobilhersteller beispielsweise mit Schutzrechten von Smartphone-Herstellern auseinandersetzen müssen. Gleichermaßen werden auch die angebotenen Produkte immer komplexer – Smartphones beispielsweise sind heute mit weit über 100.000 Patenten geschützt. Hinzu kommen die durch die Covid-19 Situation erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen, mit denen jedes Unternehmen neu und ganz individuell umgehen muss. Kurzum: Die heutigen Herausforderungen für die Wirtschaft sind komplex. Da ist es umso wichtiger, im Umgang mit Schutzrechten den Überblick nicht zu verlieren. Dies gilt nicht nur für die eigene IP-Strategie, sondern auch für die Überwachung der IP-Strategie von Zulieferern.

Der gezielte Einsatz von geistigem Eigentum ist häufig wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie und für den Erfolg einer Firma ganz entscheidend. Dabei besteht geistiges Eigentum nicht nur aus dem Schutz neuer technischer Erfindungen in Form von Patenten, die zumeist in den Entwicklungsabteilungen entstehen. Alleinstellungsmerkmale können genauso gut in der besonderen Form, dem Design, des Produktes begründet sein oder sich in besonderen Materialien oder Funktionen wie bei Smartphones zeigen. Auch Marken sind ein elementarer Bestandteil erfolgreicher Unternehmensstrategien und können zu einer Monopolstellung beitragen.

Um die Vorteile von Schutzrechten voll auszuschöpfen, kann die DIN 77006 hilfreich sein: Ein wesentlicher Ansatzpunkt der Norm ist die Integration der IP-Strategie in die Unternehmensstrategie zur Verbesserung der Qualität und Produktivität sowie der Wertschöpfung des jeweiligen Unternehmens. Ziel ist eine bessere Marktpositionierung gegenüber Wettbewerbern sowie die Reduktion der IP-Risiken.

Die DIN-Norm stellt einen Leitfaden für die Qualität des IP-Managements zur Verfügung und befasst sich mit der Ableitung der IP-Strategie basierend auf dem jeweiligen Geschäftsmodell bis zur Entstehung der gewerblichen Schutzrechte. Es werden auch Anforderungen zur Erfassung und Weiterentwicklung einschließlich der Durchsetzung und Verteidigung der Unternehmenswerte beschrieben.

Ziel der Norm ist es, eine Atmosphäre für innovatives Denken zu schaffen, Ressourcen hierfür zur Verfügung zu stellen und Wettbewerbsvorteile zu nutzen, die durch Innovationen entstehen. Gleichzeitig sollen Unternehmen die Möglichkeiten bekommen, Innovationen vor Angriffen Dritter ausreichend zu schützen und frühzeitig Wege finden, um ihre Unternehmensstrategie durchzusetzen, ohne von Wettbewerbern blockiert zu werden.

Oft erkennen Unternehmen nicht rechtzeitig, dass ihre Schutzrechte verletzt wurden oder sie haben Schwierigkeiten damit, diese zu überblicken, da sie im Rahmen der Digitalisierung und Marktvermischung wesentlich komplexer und zahlreicher geworden sind. Schutzrechtsverletzungen können einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten und einen negativen Einfluss auf das Ansehen des Unternehmens ausüben. Die richtige Strategie bei IP-Streitigkeiten kann hier eine wertvolle Hilfe sein: Durch sie können nicht nur Kosten, sondern auch Ressourcen gespart und anderweitig gewinnbringender eingesetzt werden. Teil des Risiko-Managements ist es somit, Gefährdungen durch Fremd-IP rechtzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen festzulegen.

Ein wesentlicher Aspekt der DIN-Norm ist zudem die Schaffung eines besseren IP-Verständnisses im Unternehmen, um das Bewusstsein für innovative Ideen zu fördern, Aufmerksamkeit und Unterstützung zu erzeugen und Mitarbeiter und Stakeholder zu schulen.

Auch für den Erwerb und die Verwertung von Schutzrechten ebenso wie für das IP-Reporting zur Förderung der Transparenz und die kontinuierliche Verbesserung der IP-Prozesse im Unternehmen ist die Norm hilfreich.

All diese Prozesse sollen in die Kernprozesse des Wirtschaftsbetriebes eingebunden werden und orientieren sich an der High-Level Struktur der DIN EN ISO 9001:2015, setzen diese jedoch nicht voraus.

Fazit

Auch heute sind Innovationsmanagement und IP-Management häufig unterschiedliche Fachbereiche in den Unternehmen. In der aktuellen Zeit, die durch die Covid-19 Situation, die Digitalisierung sowie Marktsegmentdurchmischungen geprägt ist, werden zunehmend interaktive Fachdisziplinen für eine erfolgreiche Marktpositionierung gegenüber Wettbewerbern gefordert. „Wer aus seinem Geschäftsmodell eine entsprechende IP-Strategie ableitet und diese systematisch in den eigenen Innovationsprozess integriert, kann sich in einem wettbewerbsorientierten Markt Vorteile verschaffen und für nachhaltige Margen sorgen. Die Auseinandersetzung mit den Anforderungen der DIN 77006 stellt dazu einen Leitfaden bereit“, so Felipe von Heereman, Patentanwalt bei Cohausz & Florack.

Als Kanzlei verfügen wir über jahrzehntelange Erfahrung in der Implementierung von Innovations- und IP-Managementprozessen, sowohl in kleinen und mittelständischen Unternehmen als auch in Konzernen. Zu unserem vielseitigen Beratungsspektrum gehört auch die neue DIN 77006, die nahtlos in den bisherigen Beratungsansatz zum Innovations- und IP-Management integriert wurde. Falls Sie mehr über die DIN 77006 und deren Umsetzung in ihrem Unternehmen wissen möchten, sprechen Sie uns gerne an!

 

Header: j-mel – AdobeStock

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